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Ludwig-Jahn Freibad

Das Bad bleibt aufgrund der Corona-Pandemie leider für die Saison 2020 geschlossen!

 Ludwig-Jahn-Freibad

Diese wirklich schwere Entscheidung hat der Stadtrat am 28.05.2020 bei 31 JA Stimmen und 2 NEIN Stimmen aufgrund meiner Empfehlung getroffen.

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen. Das Bad wäre betriebsbereit.

 

Die Rechtsverordnungen und Hygienebestimmungen verlangen aber umfangreiche Maßnahmen als auch Sicherheitsvorkehrungen, wie z.B.:

  • 1,5 m Abstand von Person zu Person, egal wo
  • keine Bildung von Warteschlangen
  • Kontaktnachverfolgungsliste
  • Wischdesinfektionen in regelmäßigen Zeitintervallen

 

Unter diesen Auflagen hätte dies bedeutet:

Minimierte Besucherzahl auf exakt 381 anstatt max 1700 Badegästen, das ist rund 1/4!

Davon 48 im Schwimmerbecken, 72 im Nichtschwimmerbecken, 7 im Planschbecken (sofern dies hätte betrieben werden dürfen).

Dies hätte zur Folge, dass wir mit Einnahmeausfällen von 75 % rechnen müssen

Es bedeutet aber auch mehr Frust und Ärger bei 1400 Badegästen, da 381 baden können, die anderen aber nicht.

Ein zusätzlicher Ordnungsdienst wäre notwendig gewesen um den Ein- und Austritt zu kontrollieren als auch die Abstände im Bad zu gewährleisten. Eine benachbarte Kommune hat dies bei einem Security Dienst geprüft. Die Kosten belaufen sich bei 90.000€ die Saison. Eine Gruppenbildung auf der Liegewiese hätte eine Überprüfung der Personalien erfordert.

Das Baden ist nur unter Einhaltung der 1,50m Abstand von Person zu Person zulässig. Dies hätte ein Schwimmen im Kreis bedeutet.

Auch der Zutritt zu den Becken hätte zahlenmäßig überwacht werden müssen. Wenn 50 Gäste im Becken sind, wer muss dann das Becken verlassen? Insbesondere im Nichtschwimmerbecken bei den Kindern?

Es wäre kein Rutschen erlaubt, ein toben der Kinder nicht möglich gewesen. (ist ja sogar auf dem Schulhof in der Pause untersagt).

Die kleinen Umkleiden fassen unter diesen Bedingungen max 2 Personen. Hier hätte man Ersatzcontainer oder andere provisorische Umkleidemöglichkeiten bauen müssen, was machbar gewesen wäre.

Spätestens bei den Duschen wäre nur 1 Person im Raum möglich gewesen. Hier hätte zusätzlich Duschkapazität bereitgestellt werden müssen.

Insbesondere aber bei unseren Toiletten. Auch hier wäre nur für 1 Person die Nutzung der Toilettenanlage möglich gewesen. Demzufolge hätten wir nur 1 Herrentoilette, 1 Damentoilette und 1 Toilette für Menschen mit Behinderung anbieten können, was bei 381 Badegästen zwangsläufig nicht ausreicht und nur durch zusätzliche Toilettencontainer hätte bereitgestellt werden können.

Warteschlangen zu vermeiden, ist aus hiesiger Sicht nicht möglich und fordert weitere finanzielle Maßnahmen. Man hätte über ein Online Ticket den Eintritt entrichten können. Dieser Anbieter bekäme 50 Cent pro Ticket. Das ist 1/3 bei einer Tageskarte bei Kindern. Dennoch würde es Warteschlangen geben. Denn man muss ja die Tickets am Eingang einscannen um Missbrauch und damit eine Überbelegung zu vermeiden.

Kontaktnachverfolgung bei täglich 381 Menschen ist eine Aufgabe mit unermesslichem Aufwand. Allein damit kann man einen zusätzlichen Mitarbeiter den ganzen Tag beschäftigen.

Auch die erforderlichen Wischdesinfektionen erfordern eine Verdoppelung der Reinigungskräfte.

Zusammenfassend:

Weniger als 25% der Einnahmen möglich.

Erhöhte Ausgaben durch wesentlich mehr Personalaufwand als auch Sachaufwand.

Der städtische Haushalt subventioniert bereits jährlich mit 300.000 €. Unter diesen Bedingungen bedeutet dies eine Verdoppelung der Ausgaben. Und dabei ist kein Geld in der Stadtkasse, sondern runde 45 Millionen Schulden.

Ich bin auf die Gesundheitsgefährdung und einen möglichen zweiten Lockdown bei nunmehr 35 Infizierten von 100.000 Einwohnern, das wären in OTW ca 7 Infizierte nicht umfangreich eingegangen. Ein zweiter Lockdown jedenfalls wäre vernichtend für unsere Gastronomie als auch das Gewerbe und bedroht insbesondere viele Arbeitsplätze. Viele Menschen sind bereits in Kurzarbeit. Es geht hier um Familien und Existenzen. Ich denke, das steht derzeit in keinem Verhältnis.

 

Ihr Bürgermeister

Holger Schäfer