Tag des offenen Denkmals

Die Bemühungen des Landesdenkmalamtes unter Federführung von Dr. Knauf, unterstützt durch Hans Werner Büchel sowie Hans-Joachim Hoffmann, den ehemaligen katholischen Friedhof Neumünster in die Saarländische Denkmalliste aufzunehmen, hatten Erfolg: Seit Ende Juli verzeichnet die Saarländische Denkmalliste diesen Friedhof als Einzeldenkmal unter: Friedhofstraße, Flur 13, Flurstück 184/3, kath. Friedhof Neumünster, 1835, erweitert 1869, 1893 und ab 1929 (Einzeldenkmal). Dies nimmt die KVHS in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Ottweiler e. V. sowie Heimat- und Kulturvereins Ottweiler e. V. zum Anlass, dieses „wertvolle Ensemble sepulkraler Zeugnisse“ durch zwei Führungen am 13. September 2026 ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen. Im Verlaufe der Führungen verweist Hans-Joachim Hoffmann zunächst darauf, dass die Geschichte der Ottweiler Friedhöfe auch Spiegelbild politischer, gesellschaftlicher und religiöser Entwicklungen dokumentiert. Dazu geht er die Anlage der in Ottweiler seit 871 angelegten und – teilweise wieder verschwundenen – Friedhöfe in Ottweiler, ein:

Verschwunden sind der Kirchhof des Klosters Neumünster sowie der erste evangelische Kirchhof im unteren Bereich des Gäßling (Ende 17./Anfang 18. Jh.) und der erste von der katholischen Gemeinde angelegte Friedhof 1831 in der heutigen Stennweiler Straße (Höhe ehemaliges Forsthaus); der jüdische Friedhof (1840–1935) sowie der Paritätische Friedhof (1951–1979), beide gelegen Auf dem Burg, rufen besondere Aspekte der Ottweiler Stadtgeschichte in Erinnerung. Der Alte Evangelische Friedhof Kirchhofweg, belegt bis 1890, ist Vorläufer des Evangelischen Friedhofs Seminarstraße, der seit 1979 als kommunaler Friedhof an die Stelle aller konfessionellen Friedhöfe trat.

Bei dem anschließenden Rundgang über den Friedhof informiert Hans Werner Büchel über die schrittweise Erweiterung des katholischen Friedhofs Neumünster und die Gründe, den Friedhof Neumünster unter Denkmalschutz zu stellen: Der 1835 eröffnete, mehrfach erweiterte und zuletzt 2006 belegte Friedhof am Ostrand der Stadt bewahre noch große Teile seiner historischen Umfassungsmauer, eine kleine Trauerhalle aus den 1930er Jahren, ein Priestergemeinschaftsgrab mit regional bekannten Persönlichkeiten wie dem politisch und kirchenhistorisch engagierten Pfarrer Johann Anton Joseph Hansen (1801–1875), sowie einzelne bedeutsame Familiengräber. Bemerkenswert seien auch die Denkmäler und Gräber der Kriege 1870–71, 1914–18 und 1939–45, sowie der Gedenkstein für die vier in Ottweiler verstorbenen katholischen Zwangsarbeiter: innen.

Ganz entscheidend für den Denkmalschutz war der Gräberkreuzweg, ein kulturhistorisches Kleinod, denn in Deutschland gibt es Gräberkreuzwege nur sehr selten. Pastor Nikolaus Jonas (Ottweiler Pfarrer 1936–1940) initierte die Errichtung der 14 Kreuzwegstationen und plante, ihn vor der Friedhofskapelle um die 7 Stationen der Schmerzen Mariens zu ergänzen. Der Bau der Friedhofskapelle, ursprünglich durch eine testamentarische Verfügung als Marienkapelle gedacht, erfolgte 1934 durch die Ottweiler Firmen Sick & Söhne, Dachdecker Philippi und Klempner Albert Jung.

Die denkmalwürdigen Grabmale gestaltete die Ottweiler Steinbildhauerei Menzel; sie sind also gleichzeitig Vermächtnis dieses Ottweiler Handwerkbetriebs.

Die Referenten sprechen zudem an, dass noch viele Fragen offen sind: Wo befindet sich die fehlende Station 10 des Kreuzweges; existieren frühe Photographien aus dem Übergang 19./20. Jahrhundert? Die Errichtung des Gräberkreuzweges 1938/39 wirft die Frage auf, ob Pastor Jonas mit dem Gräberkreuzweg gegen die Eingriffe des NS-Staates in innerkirchliche Angelegenheiten ein Zeichen setzen wollte, nachdem es im Vorfeld ab 1935 zu Störungen der Fronleichnamsprozession, zu Beschränkungen kirchlicher Jugendarbeit und 1937 durch Einführung der sog. „christlichen Gemeinschaftsschule“ die Konfessionen aus der Schule verdrängt wurden. Die Errichtung des Gräberkreuzweges sowie die Planung der Mariengedenkstätte deuten zumindest darauf hin, dass die Pfarrei Ottweiler nicht auf das öffentliche Bekenntnis ihres Glaubens zu verzichten bereit war. Zudem verdiente die Steinbildhauerei Menzel eine Würdigung: Alle Arbeiten dieser Ottweiler Steinbildhauerei in Ottweiler und Umgebung sollten erfasst und dokumentiert werden.

Die Aufnahme des ehemaligen katholischen Friedhofs Neumünster als Einzeldenkmal in die Saarländische Denkmalliste nahm Hans-Joachim Hoffmann zum Anlass, an den Ortsrat Ottweilers die Anfrage zu richten, diesen Friedhof für Baumbestattungen zuzulassen. Dazu bedarf es der Änderung der Friedhofssatzung Ottweilers. Eine entsprechende Korrektur der Friedhofssatzung bedeutet aus der Sicht des Antragstellers einerseits eine würdigere Baumbestattung als auf dem Friedhof Seminarstraße, andererseits blieb dieser Friedhof stärker im öffentlichen Bewusstsein.

Wann:  Sonntag, den 14. September, 11.00 Uhr und 16.00 Uhr,

Ort: ehemaliger katholischer Friedhof Neumünster, 66564 Ottweiler, Friedhofstraße

Referenten: Hans Werner Büchel und Hans-Joachim Hoffmann

Anmeldung: KVHS Ottweiler 06824 – 906 5335 - kvhs-neunkirchen.de

Eine Anmeldung ist erwünscht, eine Teilnahme ist aber auch ohne Anmeldung möglich.